Zehn Jahre Universitätsmedizin: „Das Bochumer Modell ist ein Erfolgsmodell für unsere Region“
von Katharina Brand
Christian Dahm erinnert an den Einsatz für die Medizinerausbildung in Ostwestfalen-Lippe. Weitere Anstrengungen zur Sicherung der ärztlichen Versorgung sind nötig.
66 Studierende waren im Jahr 2016 nur der Anfang.
Mittlerweile sind zehn Jahre vergangen und viele weitere Medizinerinnen und Mediziner sind dazu gekommen. Gerade erst wurden 59 neue Studierende zum neuen Semester begrüßt. Seit 2016 haben nun knapp 700 Studierende den klinischen Teil ihres Studiums in OWL begonnen. Zehn Jahre Universitätsmedizin in den Kreisen Herford und Minden-Lübbecke sind ein Grund zur Freude. Anlässlich der Jubiläumsveranstaltung „10 Jahre Universitätsmedizin“ am Johannes Wesling Klinikum in Minden hat der heimische SPD-Landtagsabgeordnete Christian Dahm die Bedeutung der Kooperation zwischen der Ruhr-Universität Bochum, den Kreiskliniken Herford-Bünde und den Mühlenkreiskliniken hervorgehoben.
„Die Entscheidung für das Bochumer Modell war vor zehn Jahren ein echter Durchbruch für die Medizinerausbildung in unserer Region. Ich freue mich, dass ich damals aktiv dazu beitragen konnte, diesen Weg zu ermöglichen“, erklärte Dahm. Der gemeinsame Einsatz habe sich gelohnt. Trotz der großen Konkurrenz aus der Region sei es gelungen, die Kooperation auf den Weg zu bringen und die Medizinerausbildung nachhaltig in OWL zu verankern.
Dahm hatte sich seit 2012 dafür eingesetzt, dass das Klinikum Herford gemeinsam mit den Kliniken im Kreis Minden-Lübbecke eine Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum eingeht. Gemeinsam mit den heimischen SPD-Abgeordneten aus beiden Kreisen habe er in intensiven und kontinuierlichen Gesprächen mit dem zuständigen Ministerium dafür geworben, die Bewerbung des Klinikverbundes zum Erfolg zu führen. Auch einen Besuch der damaligen Wissenschaftsministerin Svenja Schulze hatte er damals initiiert, um für das Klinikum zu werben.
Zum Wintersemester 2016/17 kamen schließlich erstmals 66 Medizinstudierende im Rahmen des Bochumer Modells nach Ostwestfalen-Lippe. Das Besondere an diesem Modell ist die dezentrale Organisation der medizinischen Ausbildung: Die Studierenden absolvieren ihre praktischen Ausbildungsabschnitte in den kooperierenden Kliniken der Region. Dazu gehören unter anderem das Johannes Wesling Klinikum in Minden, das Klinikum Herford sowie weitere Standorte in Bad Oeynhausen und Lübbecke-Rahden.
Für Christian Dahm ist die Kooperation weit mehr als ein Erfolg für die beteiligten Kliniken und Hochschulen. „Die Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern in unseren heimischen Krankenhäusern ist ein wichtiger Baustein, um die ärztliche Versorgung im Kreis Herford und im Mühlenkreis langfristig zu sichern. Davon profitieren die Studierenden, die Kliniken und vor allem die Menschen in unserer Region. Das ist eine echte Win-win-Situation.“
Die medizinische Versorgung stehe angesichts des demografischen Wandels vor großen Herausforderungen. Der Bedarf an einer wohnortnahen und bedarfsgerechten stationären wie ambulanten Versorgung werde weiter steigen. Deshalb sei es wichtig, junge Menschen frühzeitig für die Region zu gewinnen und ihnen attraktive Perspektiven für ihre berufliche Zukunft zu bieten.
„Wenn es uns gelingt, dass junge, gut ausgebildete Medizinerinnen und Mediziner nach ihrem Studium hierbleiben und sich bei uns niederlassen, können wir die Versorgung auf Dauer deutlich verbessern. Dann tritt der sogenannte Klebeeffekt erfolgreich ein“, so Dahm. Die Ausbildung vor Ort schaffe dafür wichtige Voraussetzungen und könne dazu beitragen, dass aus Studierenden später Ärztinnen und Ärzte werden, die der Region verbunden bleiben.
Gleichzeitig machte der SPD-Landtagsabgeordnete deutlich, dass das Bochumer Modell allein nicht ausreiche, um den steigenden Bedarf an Ärztinnen und Ärzten zu decken. „Wir müssen beispielsweise die Niederlassung vor Ort gezielt unterstützen und jungen Medizinerinnen und Medizinern konkrete Perspektiven bieten.“
Dazu gehörten unter anderem Fördermöglichkeiten für angehende MedizinerInnen, die Unterstützung von Medizinstudierenden sowie kommunale Initiativen.
Zugleich müsse sichergestellt werden, dass die Erfolge der vergangenen zehn Jahre nicht durch strukturelle Veränderungen gefährdet würden.
Das zehnjährige Jubiläum zeige, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Kliniken, Kommunen und Politik viel bewegen könne. „Das Bochumer Modell ist ein Erfolgsmodell. Diesen Weg müssen wir konsequent weitergehen“, so Dahm abschließend.
Foto (von links): Herfords stellvertretender Bürgermeister Thomas Bischoff, die ehemalige Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Minden-Lübbecke, Inge Howe, Landtagsabgeordneter Christian Dahm aus dem Kreis Herford, Kreisdirektor Markus Altenhöner und Dr. Andreas Schröder, medizinischer Vorstand der Kreiskliniken Herford-Bünde.