Herforderin tauscht Hörsaal gegen Landtag: Marie Claire Tschernay beim Jugendlandtag
von Katharina Brand
19-Jährige übernimmt im November den Platz des Landtagsabgeordneten Christian Dahm: „Wir als neue Generation können gemeinsam etwas bewegen“
Drei Tage lang wird der Düsseldorfer Landtag im November zum Arbeitsplatz von Marie Claire Tschernay. Die 19-jährige Herforderin nimmt vom 12. bis 14. November am Jugendlandtag Nordrhein-Westfalen teil und übernimmt dabei den Platz des heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm. Fraktionssitzungen, Ausschüsse und eine Plenarsitzung stehen für die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Programm. Politik zum Mitmachen statt nur zuschauen.
Christian Dahm freut sich auf das politische Nachwuchstalent aus Herford und gibt ihr im persönlichen Gespräch einige wertvolle Tipps mit. „Toll, dass du beim Jugendlandtag dabei bist. Das ist eine gute Möglichkeit, das Parlament kennenzulernen und sich zu vernetzen. Die drei Tage sind voll durchgetaktet und bieten einen intensiven Einblick in die politische Arbeit. Ich freue mich, dass du das machst“, motiviert Dahm die junge Herforderin.
Für Marie Claire Tschernay ist Politik aber schon längst mehr als ein theoretisches Thema. Die Herforderin studiert seit März Sozialwissenschaften im Fernstudium und arbeitet an einem Veranstaltungsort in Herford, wo sie im Büro und bei Aktionen unterstützt. Gleichzeitig engagiert sie sich umfangreich politisch: Seit April gehört sie der Doppelspitze der Jusos in Herford an. Zudem ist sie stellvertretende Schriftführerin im SPD-Stadtverband, stellvertretende Kassiererin in ihrem Ortsverein und engagiert sich auch bei den Jusos auf Kreisebene.
Ihre Motivation für die Teilnahme am Jugendlandtag ist klar: Sie möchte sich einmischen und insbesondere bei Themen, die junge Menschen und Frauen betreffen, ihre Stimme erheben.
„Ich möchte am Jugendlandtag teilnehmen, weil ich es wichtig finde, dass wir als neue Generation zeigen, was wir gemeinsam bewegen können. Meine Herzensthemen sind Frauenrechte und Opferschutz. In unserer Gesellschaft sind Hass und Hetze normalisiert worden und das möchte ich ändern. Dafür setze ich mich ein“, sagt Tschernay.
Beim Jugendlandtag möchte sie diese Themen auch selbst auf die politische Tagesordnung bringen. Eine persönliche Rede im Plenum hat sie bereits fest eingeplant.
„Für mich ist der Jugendlandtag eine tolle Chance, parlamentarische Arbeit einmal aus der anderen Perspektive kennenzulernen. Ich freue mich darauf, mit anderen jungen Menschen aus Nordrhein-Westfalen zu diskutieren, unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen und natürlich auch meine eigenen Themen einzubringen“, so Tschernay, die sehr dankbar ist, als Teilnehmerin ausgewählt worden zu sein.
Der Jugendlandtag ist ein Angebot des Landtags Nordrhein-Westfalen zur Demokratiebildung und findet in diesem Jahr bereits zum 16. Mal statt. Junge Menschen zwischen 16 und 20 Jahren übernehmen für drei Tage die Plätze der Abgeordneten und erleben den parlamentarischen Alltag hautnah. Dazu gehören Fraktionssitzungen, Ausschusssitzungen, Expertenanhörungen und als Höhepunkt eine Plenarsitzung. „Der Ablauf ist so, wie wir es als Landtagsabgeordnete selbst erleben - nur eben komprimiert auf drei Tage“, sagt Christian Dahm.
Die jungen Abgeordneten diskutieren genauso aktuelle Themen der Landespolitik und fassen eigene Beschlüsse. Diese werden anschließend an den Hauptausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen weitergeleitet.
In den vergangenen Jahren debattierten die jungen Abgeordneten zum Beispiel über die Themen „Finanzbildung in der Schule“ oder „Mentale Gesundheit“.
Auch außerhalb des Plenarsaals steht das gemeinsame politische Erleben im Mittelpunkt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wohnen während des Jugendlandtags gemeinsam in einer Jugendherberge und haben so die Möglichkeit, sich auch über Parteigrenzen und die eigene Region hinaus auszutauschen und zu vernetzen.
Seit 2008 haben bereits rund 3.000 junge Menschen aus Nordrhein-Westfalen am Jugendlandtag teilgenommen.
Für Christian Dahm ist die Teilnahme von Marie Claire Tschernay auch ein Zeichen für das politische Engagement junger Menschen in Herford: „Es ist wichtig, dass junge Menschen ihre Perspektiven und Themen in die Politik einbringen. Marie Claire engagiert sich bereits an vielen Stellen. Der Jugendlandtag bietet ihr jetzt die Möglichkeit, parlamentarische Arbeit noch einmal ganz unmittelbar kennenzulernen und eigene Erfahrungen zu sammeln. Dafür wünsche ich ihr viel Erfolg und vor allem viel Spaß.“