500 Lehrerstellen mehr für OWL: Ein Tropfen auf den heißen Stein
von Katharina Brand
Landtagsabgeordnete Dahm und Obrok sehen Bewegung, mahnen aber zur schnellen Besetzung und kritisieren die Einstellungspraxis der vergangenen Monate
In Ostwestfalen-Lippe sollen in diesem Haushaltsjahr 720 Lehrerstellen ausgeschrieben werden, wie es aus aktuellen Medienberichten hervorgeht. Das wären 500 Stellen-Ausschreibungen mehr als vor einem Jahr, eine Steigerung von 213 Prozent.
Die beiden heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm und Christian Obrok begrüßen diese Nachricht grundsätzlich: „Das ist zunächst sehr erfreulich und macht Lehrerinnen und Lehrern, die bei uns im Kreis Herford und in der Region keinen Job finden, Hoffnung.
Das ist aber vor allem aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man sich vor Augen führt, dass es 717 unbesetzte Stellen im Regierungsbezirk Detmold gibt. Davon rund 389 Stellen, die nicht für unbefristete Einstellungen zur Verfügung stehen, wie aus der aktuellen Antwort auf unsere Kleine Anfrage hervorgeht.“
Das zentrale Problem bleibe ungelöst: Der öffentliche Dienst konkurriere immer stärker mit der Privatwirtschaft um Fachkräfte. „Am 1. Juli 2026 waren über 20.700 Stellen beim Land unbesetzt, annähernd 8000 davon an den Schulen in NRW.
Wir haben akuten Lehrermangel und die Einstellungspraxis des Landes bleibt schwer zu durchschauen. Das haben uns die vergangenen Monate mit zahlreichen Rückmeldungen vieler Lehrerinnen und Lehrer, die mit konkreten Problemen auf uns zu kamen, deutlich gezeigt“, so Dahm und Obrok.
Gleichzeitig erlebten viele Schulen einen erheblichen Personalmangel. Diesen Widerspruch wollten Dahm und Obrok zuletzt aufklären.
Sie fragten deshalb unter anderem nach Besetzungsquoten, stellten Kleine Anfragen an die Landesregierung und führten Gespräche, unter anderem mit der GEW oder dem VBE.
Sie gingen den Fragen nach, warum dringend benötigte Stellen vermeintlich nicht ausgeschrieben werden und warum fertig ausgebildete Lehrkräfte keine dauerhafte Perspektive finden, während Schulen gleichzeitig über Personalmangel und Unterrichtsausfälle klagen.
Eine konkrete Antwort darauf erhielten sie bis zuletzt nicht. Die neuste Antwort auf die Kleine Anfrage zur aktuellen Stellenbesetzung brachte zumindest so weit Licht ins Dunkel, als dass die Landesregierung den Stellenmangel in OWL erstmals veröffentlichte: „Zum Stichtag 01.06.26 fehlten im Regierungsbezirk Detmold über 700 Stellen. Der Bedarf ist also hoch. Jetzt ist die Landesregierung zwar aufgewacht, das kommt alles aber sehr spät, erklären Dahm und Obrok. „Das Kind ist schon in den Brunnen gefallen. Die Landesregierung hat wertvolle Zeit verloren.“
Die Abgeordneten fühlen sich aber in ihrer Vehemenz bestätigt: „Der Druck hat sich zumindest vorerst ausgezahlt. Wir haben immer wieder nachgehakt und direkte Gespräche gesucht. Dass jetzt deutlich mehr Stellen ausgeschrieben werden können, zeigt: Unser beharrliches Nachfragen war richtig und notwendig. Das kann aber noch lange nicht alles sein.“
Besonders kritisch sehen Dahm und Obrok, dass bereits gut ausgebildete Lehrkräfte der Region und teilweise sogar dem Bundesland bereits den Rücken gekehrt haben. „Diese abgewanderten Lehrkräfte sind weg. Die holen wir nicht mehr zurück“, mahnen die heimischen Politiker. Mehrere angehende Lehrerinnen und Lehrer hätten sich inzwischen für einen Wechsel nach Hessen oder Niedersachsen entschieden. Andere hätten angesichts der fehlenden Perspektiven frustriert Abstand vom Lehrerberuf genommen.
„Das lässt sich nicht einfach rückgängig machen“, betonen Dahm und Obrok. „Wenn junge Menschen nach Studium und Referendariat trotz hervorragender Abschlüsse keine verlässliche Perspektive bekommen, verlieren wir genau die Fachkräfte, die unsere Schulen dringend brauchen.“
Für die beiden Landtagsabgeordneten darf es deshalb nicht bei der Ankündigung von Stellen bleiben. Entscheidend sei nun, dass die ausgeschriebenen Stellen schnellstmöglich tatsächlich besetzt werden und dass weitere folgen werden, um dem hohen Mangel zu begegnen.
„Genug Zeit ist bereits vergangen. Unsere Schulen, das Lehrpersonal und vor allem unsere Schülerinnen und Schüler brauchen Verlässlichkeit“, erklären Dahm und Obrok.
Die aktuelle Situation zeige zudem, wie wenig sinnvoll es sei, Lehrkräfteangebot und tatsächlichen Bedarf allein anhand kurzfristiger rechnerischer Überhänge zu steuern. „Wer heute Stellen abbaut und morgen feststellt, dass wieder Lehrkräfte fehlen, produziert Unsicherheit bei Schulen und Beschäftigten. Wir brauchen eine vorausschauende Personalplanung, die die Entwicklung der Schülerzahlen, Pensionierungen, langfristige Ausfälle und regionale Besonderheiten berücksichtigt.“
Dahm und Obrok wollen die weitere Entwicklung deshalb weiterhin kritisch begleiten. Die jetzt angekündigten 720 Ausschreibungen seien kein Grund, bei der Lehrkräfteversorgung nachzulassen.
„Wir werden genau hinschauen, wie viele dieser Stellen tatsächlich besetzt werden und wie schnell das geschieht. Wir werden weiter kritisch nachfragen. Die Schulen in OWL können nicht noch einmal Monate oder Jahre auf dringend benötigte Lehrkräfte warten.“