Christian Dahm kritisiert Modekette für geplante Entlassungen

von Katharina Brand-Parteck

Abzug von H&M aus der Innenstadt hätte aber zwei Seiten

Vor allem junge Frauen kaufen bei der Modekette H&M bevorzugt ein. Das Unternehmen steht jetzt aber in der Kritik, gerade diese Zielgruppe mit Entlassungen vor den Kopf zu stoßen. Vor allem junge Eltern, sprich Mütter in Elternzeit, sollen stark vom derzeitigen Stellenabbau betroffen sein.

Christian Dahm, heimischer Landtagsabgeordneter und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Landtagsfraktion hat dazu eine klare Meinung:

„Das selbsternannte „Freiwilligenprogramm“ ist ein Schlag ins Gesicht für junge Familien. Offenbar dürfen sie zwar bevorzugt einkaufen, aber bloß nicht für das Unternehmen arbeiten, weil sie zu den umsatzstarken Abendzeiten sowie an Samstagen vermeintlich nicht einsetzbar sind. Die Mitarbeiterinnen wären zwar rechtlich durch die Elternzeit vor Kündigung geschützt, einmal zurück am Arbeitsplatz könnten sie aber gekündigt werden. Das kritisieren wir als SPD scharf, vor allem im Zuge der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch ein Unternehmen wie H&M steht in der Pflicht familienfreundliche Arbeitszeiten zu ermöglichen. Hier wird eine Schwäche ausgenutzt, die gar keine ist. Hier werden Frauen diskriminiert, nur weil sie als Mütter angeblich weniger leisten als andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Das Vorgehen von H&M ist verantwortungslos und dreist. Das Unternehmen verdankt einen großen Teil seiner Einnahmen durch den Verkauf von Mode für junge Frauen und Kinder. Es ist daher absurd, sich nur nach Außen familienfreundlich zu geben, aber Mütter und auch Familienväter aus dem Unternehmen zu drängen. Das passt nicht zusammen.“ 

In Herford kommt nun noch hinzu, dass die Filiale komplett geschlossen werden soll und somit alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Straße stehen werden. Einen Sozialplan für die 27 Herforder Beschäftigten wurde kürzlich abgelehnt.

Ein Wegzug der Herforder Filiale hat zwar vor allem Konsequenzen für die Mitarbeiter, aber auch für Herford als Einkaufsstadt.

Das schwedische Modeunternehmen besitzt eine gewisse Anziehungskraft bei einer jüngeren Kundschaft. Die Herforder würde einen Anker in der Innenstadt verlieren und somit auch an Attraktivität als Einkaufsstadt einbüßen. Es ist kein Geheimnis, dass gerade die kaufkräftige, jüngere Kundschaft ein wichtiger Faktor für eine funktionierende Innenstadt ist. 

Schließungen drohen zwar nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber sie bedrohen unsere „lebendigen Innenstädte.“

Kaufhäuser bringen Leben, Innovation, Frequenz und Attraktivität in unsere Städte. Geändertes Kaufverhalten und Wettbewerbsdruck fordern viel Anpassungsvermögen und wirtschaftliches Risiko ab. In Zukunft drohen weitere große Schließungen im Einzelhandel. NRW muss bei der Gestaltung von Innenstädten deshalb mehr Unterstützung leisten als bislang. Wir fordern seit Langem einen Masterplan „Lebendige Innenstadt“.

„Ein Zerfall der Innenstädte ließe sich dann vermeiden. Im speziellen Fall des schwedischen Modeunternehmens ist aber auch eine gewisse Misswirtschaft im Unternehmen schuld, so ehrlich müssen wir an dieser Stelle sein“, so Dahm.

Ob die bekundeten Bleibeabsichten des Unternehmens H&M in Herford ernst gemeint sind, scheint derzeit unklar. Das marode Gebäude soll ein Hauptgrund für den Rückzug sein. Eine neue und geeignete Verkaufsfläche mit 1700 Quadratmetern oder mehr zu finden, mehr als schwierig.

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten eine klare Aussage mehr als verdient“, betont Christian Dahm. „Ich setze mich für den Erhalt der Arbeitsplätze ein und fordere das Unternehmen zu einer klareren Informationspolitik auf! Sie haben eine doppelte Verantwortung – für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für den Standort Herford.“

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