Abgeordnete diskutieren digital mit Erzieherinnen

von Katharina Brand-Parteck

Personal fordert mehr Anerkennung

Rund 25 Erzieherinnen aus dem Kreis Herford und Bad Oeynhausen sind der Einladung der SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm und Angela Lück gefolgt und haben am ersten digitalen Kitaforum teilgenommen. Der Familienpolitiker Dennis Maelzer konnte dabei einen guten Einblick in die aktuelle Lage geben und die neuesten Hintergründe aus dem zuständigen Ausschuss des Landtags liefern.

Es wurde durchaus kontrovers in alle Richtungen diskutiert. Nicht alle Kitas sind der gleichen Meinung, was Tests und Impfungen betrifft. Einig sind sich aber alle, dass Erzieherinnen und Erzieher derzeit viel weniger Anerkennung bekommen, als sie verdient hätten.

„Wir wollten die derzeitigen Probleme aus erster Hand erfahren“, erklären die Abgeordneten, warum sie das Kitaforum initiiert haben. „Vor allem möchten wir die Anregungen mit nach Düsseldorf nehmen, um Druck auf die Landesregierung auszuüben. Denn vieles, was entschieden wurde, passt auch den Erzieherinnen und Erziehern vor Ort nicht und muss verbessert werden. Das sind wir den Kitas und Tagespflegeeinrichtungen in dieser Situation schuldig.“

Kritisiert wurde vor allem der „wilde“ Informationsfluss. Man brauche dringend mehr Vorlauf, um die Entscheidungen aus dem Ministerium umzusetzen. Eine kurzfristige Veränderung des eingeschränkten Regelbetriebs zum 08. März hält Dennis Maelzer aus dem Grund auch für nicht umsetzbar. Bei Aufhebung der Stundenreduzierung, aber gleichzeitiger Gruppentrennung, wäre eine Betreuung mit dem vorhandenen Personal kaum aufrechtzuerhalten.

Manche Informationen waren beispielsweise nur Häppchenweise oder gar nicht zum Personal durchgedrungen: Erzieher mussten sich von Eltern auf den neusten Stand bringen lassen. Gleichzeitig waren sie dann aber auch der Prellbock, wenn die Entscheidungen den Eltern nicht passten. Sie kritisieren, dass die Verantwortung nicht hätte auf die Eltern übertragen werden dürfen, ob sie ihre Kinder in die Kita bringen oder zu Hause betreuen. „Kollegen fühlten sich in dieser Situation alleine gelassen und gehen mittlerweile auf dem Zahnfleisch, denn defacto waren die Kitas zu keiner Zeit geschlossen“, hieß es von Seiten der anwesenden Erzieherinnen.

Durchaus differenziert sehen die Kitas eine Test- und Impfstrategie.

In der großen Mehrheit werden in Kitas vor allem mobile Testungen gewünscht. Bei Testungen, die nicht vor Ort stattfinden, würde es ebenfalls zum Personalengpass kommen, denn meist müssten die Beschäftigten dafür die Einrichtung verlassen. Ebenso beim Impfen. Erzieherinnen und Erzieher sind quasi die einzige Berufsgruppe, die „ungeschützt“ arbeitet, da Kinder keine Masken tragen können und kaum Abstand halten. Eine Impfung würde einigen Kolleginnen und Kollegen das Arbeiten erleichtern und die Sorge vor einer Ansteckung nehmen. Auch hier wünscht man sich ein mobiles Impfteam in den Einrichtungen, um die Ausfallquote niedrig zu halten.

Trotz allem hat die Pandemie-Situation auch positive Dinge hervorgebracht, wie einige Erzieherinnen berichten: Mittlerweile haben einzelne Träger eine Kita App um Informationen auszutauschen, selbst ein digitaler Morgenkreis würde hier und da angeboten. Einige Kitas wurden mit Tablets ausgestattet - Die Digitalisierung hat somit auch in die Kita Einzug gehalten.

Zusammenfassend nehmen die drei SPD-Abgeordneten einige Botschaften mit in die politische Diskussion:„Die schwierige Situation, in der sich die Kitas befinden ist durchaus noch klarer geworden. Die Gespräche waren wirklich aufschlussreich. Wir brauchen jetzt dringend eine richtige Teststrategie für ErzieherInnen. Auch die Kinder sollen auf freiwilliger Basis mittels Spuck- oder Lollietests getestet werden.

Wir brauchen ebenso eine Impfstrategie, bei der die EzieherInnen nicht benachteiligt werden. Sie arbeiten immer ungeschützt und können anders als Lehrerinnen und Lehrerin keinen Abstand halten. Luftfilter würden ein hilfreicher Beitrag sein und auch in Nicht-Corona-Zeiten einen erheblichen Teil zur Luftverbesserung der Kitas beitragen.

Ebenso fordert das Personal mehr Anerkennung und Wertschätzung. Das Bastelmaskendesaster darf sich nicht wiederholen. Zudem fordern wir weiterhin die Befreiung von Kita Gebühren für Eltern, damit der Druck nicht erhöht wird, die Kinder unbedingt in die Kita schicken zu müssen.

Wir setzen alles daran, den Erzieherinnen und Erziehern zu helfen und Probleme zu lösen.“

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