Wie groß ist der Hausärztemangel im Kreis Herford und in Bad Oeynhausen wirklich?

von Katharina Brand-Parteck

Montagmorgen um 08:30 Uhr ist die Welt in vielen Artpraxen im Kreis Herford und in der Stadt Bad Oeynhausen nicht mehr in Ordnung. Die langen Schlangen verraten überfüllte Wartezimmer und zeigen uns eins deutlich: Es gibt zu wenige Hausärzte! „Vor allem im Hinblick auf den demographischen Wandel, regt dieser Umstand zum Nachdenken an“, erklären Christian Dahm und Angela Lück.

Die heimischen SPD-Landtagsabgeordneten haben jetzt eine Kleine Anfrage an die Landeregierung gestellt, denn die Prognose ist alarmierend: Im Jahr 2030 wird es im Kreis Herford rund 70.000 Menschen geben, die älter als 65 Jahre alt sind. Die Gesellschaft altert – im Jahr 2014 waren es noch 54.000 Menschen. Auch in der Stadt Bad Oeynhausen zeichnet sich dieser Trend ab. Die aktuell rund 11.300 Einwohner über 65 Jahre werden im Jahr 2030 auf über 12.000 ansteigen.

„Der Bedarf an Versorgung steigt, die Hausärzte werden dagegen immer weniger“, warnen Lück und Dahm. Nur 10 Prozent der in NRW ausgebildeten rund 2000 Ärzte werden Allgemeinmediziner, heißt es. Im Kreis Herford und in Bad Oeynhausen gibt es in einigen Städten und Gemeinden bereits jetzt Praxen, die überfüllt sind und keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Das Problem wird sich in Zukunft noch verschärfen, da viele Ärzte im Rentenalter sind und keine Nachfolger finden.

Jüngst hat das Gesundheitsministeriums NRW zum Hausärztemangel in NRW dargestellt, dass im Herbst 2017 bereits 574 Hausarztsitze in NRW komplett unbesetzt waren. Ursache hierfür sei, dass sich die Zahl der Hausärzte, die aus dem Berufsleben ausscheiden, seit 2006 um fast 80 Prozent auf 457 erhöht habe und die Zahl der neu zugelassenen Hausärzte nicht einmal halb so hoch sei. Je nach Region in NRW falle die Situation unterschiedlich dramatisch aus.

Dahm und Lück fragen vor diesem Hintergrund die Landesregierung:

  1. Wie viele Hausärzte gibt es zurzeit und wie hoch ist der Altersdurchschnitt der Hausärzte im Kreis Herford und in der Stadt Bad Oeynhausen?
  2. Wie viele Hausärzte im Kreis Herford und in der Stadt Bad Oeynhausen werden in den kommenden Jahren voraussichtlich in den Ruhestand gehen?
  3. Wie viele Hausärzte werden sich voraussichtlich in den kommenden Jahren im Kreis Herford und in der Stadt Bad Oeynhausen niederlassen?
  4. Wie viele Hausarztsitze werden entsprechend voraussichtlich im Kreis Herford und in der Stadt Bad Oeynhausen unbesetzt bleiben? 5. Was unternimmt die Landesregierung speziell im Kreis Herford und in der Stadt Bad Oeynhausen, um die Hausarztversorgung auch in den kommenden Jahren zu gewährleisten?

„Sobald uns die Zahlen vorliegen, werden wir diese veröffentlichen. Die Menschen im Kreis Herford und in der Stadt Bad Oeynhausen haben ein Recht auf eine schnelle und gute gesundheitliche Versorgung“, so die SPD-Politiker. Auch das Thema Fachärztemangel werden beide noch auf die Agenda setzen.

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