Jugendliche ersetzen Landtagsabgeordnete

von Katharina Brand-Parteck

SPD-Landtagsabgeordnete Lück und Dahm lassen den politischen Nachwuchs ran

Maik Sasse und Sven Fleer (vorne, von links nach rechts) wollen auf den Stühlen der „richtigen“ Abgeordneten Christian Dahm und Angela Lück Platz nehmen (hinten).

Kreis Herford/Düsseldorf: „Ins Parlament kommt nicht jeder rein“, fasst die Löhner Abgeordnete Angela Lück die Besonderheit des Jugend-Landtags zusammen. Maik Sasse und Sven Fleer bekommen aber diese einmalige Gelegenheit und gleichzeitig eine große Herausforderung geboten. Die beiden Schüler vertreten die heimischen SPD-Landtagsabgeordneten Angela Lück und Christian Dahm beim Jugend-Landtag vom 11. bis 13. Juni in Düsseldorf.

Dabei sollen sie auf den Stühlen der Abgeordneten Platz nehmen und genau das tun, was die realen Mitglieder des Landtags auch machen: Politik. Der siebte Jugend-Landtag wird sich mit aktuellen Themen beschäftigen. Die parlamentarischen Abläufe werden von Fraktionssitzungen über Ausschusssitzungen, öffentliche Anhörungen von Experten bis hin zur Plenarsitzung nachgestellt. Die Beschlüsse der Jugend-Landtagsabgeordneten werden den Abgeordneten des realen Parlaments anschließend zur Kenntnis gegeben.

Junge Menschen aus ganz NRW im Alter zwischen 16 bis 20 Jahren dürfen dabei auf den Stühlen der Abgeordneten im Plenarsaal und in den Sitzungssälen Platz nehmen.

Seit 2008 findet jedes Jahr der dreitägige Jugend-Landtag im Düsseldorfer Parlament statt. Mehr als 1250 Jugendliche konnten seitdem in die Rolle der Abgeordneten schlüpfen und den parlamentarischen Arbeitsalltag eines Politikers/ einer Politikerin selbst erleben. Ziel ist es, durch „learning by doing“ die Jugendlichen über die parlamentarische Arbeit zu informieren und zu politischem Engagement zu ermuntern.

Die Teilnehmer aus dem Kreis Herford - Maik Sasse und Sven Fleer - haben sich bei den beiden Landtagsabgeordneten direkt beworben und wurden ausgewählt. Beiden ist das politische Geschäft aber nicht ganz unbekannt.

Der Herforder Schüler Sven Fleer steht quasi schon seit längerer Zeit in der Warteschleife, bisher scheiterte eine Teilnahme aber immer an der Altersbegrenzung. Nun, mit 16 Jahren, darf der politikbegeisterte Schüler endlich dabei sein. Fleer macht erst in 3 Jahren sein Abitur, hat aber bereits freiwillige Praktika absolviert. Zuletzt für drei Wochen beim Herforder Bürgermeister im Rathaus. Außerdem engagiert sich das Mitglied der Jusos auch ehrenamtlich als Sanitäter beim DRK. Beim Jugend-Landtag wollte der Schüler schon immer mal mitmachen: „Weil es toll ist, hinter die Kulissen zu gucken.“

Ähnlich sieht das auch Maik Sasse aus Kirchlengern-Häver. „Diese Chance bekommt man nur ein einziges Mal im Leben“, begründet der 17-jährige seine Motivation und setzt sich gleich große Ziele. „Ich habe zwar großen Respekt davor, aber reden möchte ich ja schon gerne – vielleicht als Landtagspräsident?“ Erfahrung in der Kommunalpolitik hat der Schüler, der gerade auf dem Erich-Gutenberg Berufskolleg sein Fachabitur machen möchte bereits: Durch seinen Nachbarn sei er zur SPD gekommen und engagiere sich nun auch im Ortsverein. Auch Sasse absolviert in seiner Freizeit freiwillige Praktika, unter anderem bei einer Spedition und bei der Sparkasse. Wenn dann noch Zeit übrig bleibt, setzt sich der 17-jährige als Pilot ins Segelflugzeug oder spielt in seiner Kirchengemeinde im Posaunenchor. Und dann warte ja auch noch der heimische Gemüsegarten auf ihn. Vom Jugend-Landtag erwarte er vor allem Lebenserfahrung zu gewinnen. „Das wird bestimmt lustig, aber auch ziemlich anstrengend.“ Eine Frage interessiert Sasse aber noch brennend: „Darf man während der Plenarsitzungen eigentlich auf die Toilette gehen?“

Mit einem Schmunzeln beantwortet Christian Dahm die Frage, dass das natürlich möglich sei, schickt aber gleich hinterher: „Essen und Trinken ist im Plenarsaal verboten – bei vielen Terminen bleibt das leibliche Wohl deswegen schon manchmal auf der Strecke, vor allem wenn eine Plenarsitzung bis 23 Uhr dauert.“ Die Jugend-Landtagsabgeordneten würden bestimmt keine Langeweile bekommen und ebenfalls in den Genuss eines vollen Terminkalenders kommen. Aber das werden die beiden Teilnehmer im Juni am eigenen Leib erfahren!

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