Der erste Landrat hatte nur drei Mitarbeiter

von Katharina Brand-Parteck

Fest zum 200-jährigen Bestehen des Kreises Herford

Foto: Moritz Winde, Westfalen-Blatt
 

Herford(HK). 200 Jahre Kreis Herford: Dieses Jubiläum haben am Freitagabend gut 220 Gäste – ehemalige und aktive Kreisbedienstete, Politiker, Vertreter von Vereinen, Kirchen und Verbänden, Unternehmer und Verwaltungschefs – im Saal des Kreishauses gefeiert.

»Es gibt Grund genug, wertzuschätzen, was in den vergangenen 200 Jahren entstanden ist«, betonte Landrat Jürgen Müller. So seien im Gesundheitswesen Ende des 19. Jahrhunderts Maßstäbe im Kreis gesetzt worden: Als Beispiele nannte er die Einweihung des Friedrich-Wilhelm-Hospitals (heute Klinikum) im Jahr 1858. Er erinnerte aber auch an die erste neu gebaute (und gebührenpflichtige) Kreisstraße zwischen Herford und Bünde (1843), die Gründung der Kreissparkasse (1847) und des Elektrizitätswerkes Minden-Ravensberg (1909). Mit ihren Aufgaben sei die Kreisverwaltung auch personell gewachsen: »Der erste Landrat damals hatte genau drei Mitarbeiter: den Kreissekretär, den Schreiber und den Boten – heute sind es rund 900.«

Grüße der Landesregierung übermittelte Staatssekretär Bernhard Nebe vom NRW-Innenministerium. »Dies ist ein großer Tag in Ihrer Geschichte«, sagte der Ex-Landrat aus Wesel, der die wechselvolle Entwicklung der Städte und Kreise beleuchtete. Mit der Definition des Gemeinwohls sei bereits in der Antike eine Zielrichtung der Politik vorgegeben worden, die noch heute gelte. Städte und Kreise seien Orte der Identifikation, der Entstehung und Entscheidung: »Hier werden Weichen gestellt, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen vor Ort haben.« Im Kreis Herford herrsche seit 200 Jahren ein ausgeprägter Gemeinschaftssinn: »Das ist die wichtigste Zutat für die Herausforderungen der Zukunft.«

Die Bedeutung der mittelständischen Familienunternehmer für die Entwicklung des Kreises verdeutlichte Martin Kannegiesser, Ehrenvorsitzender des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall in seinem Vortrag. Ihm schloss sich eine Podiumsdiskussion zur Frage »Quo vadis – Kreis Herford?« an.

 

Westfalen-Blatt Herford, 29.10.16

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